Umzug: Die Fristen, die zählen — und was sich steuerlich absetzen lässt

Ein Umzug scheitert selten am Transport. Er scheitert an Fristen, die parallel laufen und von denen die meisten rückwärts vom Auszugstag gerechnet werden müssen — und an zwei Rechtsfragen, die regelmäßig Geld kosten: Schönheitsreparaturen und Kaution.

Stand: August 2026 · Allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

Der Rückwärtsplan

VorlaufWas ansteht
4 MonateKündigung vorbereiten, damit sie den dritten Werktag des übernächsten Monats sicher erreicht
3 MonateKündigung zustellen; Zugang dokumentieren
8 WochenUmzugsunternehmen anfragen — zum Monatsende und im Sommer sind die Termine früh vergeben
4 WochenNachsendeauftrag, Strom- und Gasvertrag, Internetanschluss, Versicherungen umstellen
2 WochenHalteverbotszone beim Ordnungsamt beantragen (je nach Stadt 30 bis 150 Euro)
1 WocheSperrmüll anmelden, Kisten packen, Beschriftung nach Zielraum
UmzugstagÜbergabeprotokoll mit Zählerständen in beiden Wohnungen, Schlüssel zählen
+ 14 TageUmmeldung beim Einwohnermeldeamt

Die Kündigung

Für Mieter gilt nach § 573c Abs. 1 BGB eine Frist von drei Monaten, unabhängig von der Wohndauer. Die Kündigung muss spätestens am dritten Werktag eines Monats zugehen und wirkt zum Ablauf des übernächsten Monats. Sie braucht nach § 568 Abs. 1 BGB die Schriftform — Papier mit eigenhändiger Unterschrift, keine E-Mail. Stehen mehrere Personen im Mietvertrag, müssen alle unterschreiben.

Ein fertiges Muster mit der Formulierung „hilfsweise zum nächstmöglichen Termin“ — die verhindert, dass ein Datumsfehler die ganze Kündigung scheitern lässt — steht in unseren Musterschreiben.

Der Nachmieter: ein verbreitetes Missverständnis

Es gibt keinen allgemeinen Anspruch, mit drei Nachmietern aus dem Vertrag zu kommen. Der Vermieter darf sich auf die vereinbarte Frist berufen. Nur in engen Ausnahmefällen — wenn ein berechtigtes Interesse an der vorzeitigen Entlassung besteht und ein zumutbarer, solventer Nachmieter gestellt wird — kann sich aus Treu und Glauben etwas anderes ergeben. Das ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Der saubere Weg heißt Mietaufhebungsvertrag: eine schriftliche Vereinbarung, die das Mietverhältnis zu einem bestimmten Datum beendet und idealerweise gleich regelt, wer die Wohnung in welchem Zustand übergibt und wann die Kaution zurückfließt.

Schönheitsreparaturen: was der BGH entschieden hat

Hier haben zwei Urteilsserien die Lage grundlegend verändert:

Unrenoviert übergeben heißt in der Regel: keine Renovierungspflicht. Seit dem Urteil vom 18. März 2015 (VIII ZR 185/14) ist eine formularmäßige Abwälzung der Schönheitsreparaturen unwirksam, wenn die Wohnung unrenoviert oder renovierungsbedürftig übergeben wurde und der Mieter dafür keinen angemessenen Ausgleich erhalten hat. Der Mieter schuldet dann überhaupt keine Schönheitsreparaturen — auch nicht anteilig.

Dafür kann er die Renovierung verlangen — zur Hälfte. Mit den Urteilen vom 8. Juli 2020 (VIII ZR 163/18 und VIII ZR 270/18) hat der BGH ergänzt: Hat sich der Zustand seit Übergabe wesentlich verschlechtert, kann der Mieter vom Vermieter die Instandsetzung verlangen — muss sich aber in der Regel hälftig an den Kosten beteiligen, weil er sonst besser stünde als bei einer wirksamen Klausel.

Starre Fristenpläne sind unwirksam. Klauseln, die feste Renovierungsintervalle ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Zustand vorschreiben, sind seit langem hinfällig — ebenso Endrenovierungsklauseln und Vorgaben zu bestimmten Farbtönen während der Mietzeit.

Praktisch heißt das: Bevor Sie streichen, prüfen Sie das Übergabeprotokoll vom Einzug. Wenn dort „unrenoviert“ oder eine Mangelliste steht, ist die Frage der Renovierungspflicht meist schon beantwortet.

Kaution: die zwei Fristen, die niemand kennt

Die Kaution beträgt nach § 551 BGB höchstens drei Nettokaltmieten. Für die Rückzahlung gibt es keine gesetzliche Frist; die Rechtsprechung gesteht dem Vermieter eine Überlegungs- und Abrechnungsfrist zu, die je nach Fall bei etwa drei bis sechs Monaten liegt. Einen Teilbetrag darf er darüber hinaus zurückhalten, bis die letzte Betriebskostenabrechnung vorliegt — aber nur in angemessener Höhe, nicht die gesamte Summe.

Die zweite Frist ist die wichtigere und wird fast immer übersehen: Ersatzansprüche des Vermieters wegen Veränderungen oder Verschlechterungen der Mietsache verjähren nach § 548 Abs. 1 BGB in sechs Monaten — gerechnet ab dem Rückerhalt der Wohnung, nicht ab Vertragsende. Wer als Mieter sieben Monate nach der Schlüsselübergabe eine Rechnung für Kratzer im Parkett bekommt, kann sich darauf berufen. Wer als Vermieter Ansprüche hat, muss sie in diesem halben Jahr geltend machen.

Ummeldung und wer sonst Bescheid braucht

Nach § 17 BMG ist der Einzug binnen zwei Wochen bei der Meldebehörde anzuzeigen. Benötigt wird die Wohnungsgeberbestätigung, die der Vermieter innerhalb von zwei Wochen auszustellen hat. Ein Verstoß kann als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld geahndet werden. Ein reiner Auszug ohne neue Wohnung im Inland muss abgemeldet werden.

Darauf folgt die undankbare Liste: Arbeitgeber, Krankenkasse, Bank und Bausparkasse, Versicherungen, KFZ-Zulassung, Rundfunkbeitrag, Finanzamt, Schule und Kita, Vereine, Abonnements. Ein Nachsendeauftrag der Post fängt für sechs oder zwölf Monate auf, was vergessen wurde — er ersetzt die Ummeldung aber nicht.

Was steuerlich absetzbar ist

Beruflich veranlasster Umzug

Ist der Umzug beruflich veranlasst, sind die Kosten Werbungskosten. Anerkannt wird das bei Versetzung, bei einem Stellenwechsel an einen anderen Ort — und bei einer Fahrzeitersparnis von mindestens einer Stunde täglich für Hin- und Rückweg zusammen.

Statt Einzelnachweisen für Kleinkram kann die Pauschvergütung für sonstige Umzugsauslagen nach § 10 BUKG angesetzt werden. Seit dem 1. März 2024 und weiterhin 2026 gelten:

PersonenkreisPauschale
Berechtigte Person964 €
jede weitere Person im Haushalt (Ehe- oder Lebenspartner, Kinder)643 €
Berechtigte ohne eigene Wohnung vor oder nach dem Umzug193 €

Zusätzlich absetzbar sind die tatsächlichen Transportkosten, doppelte Mietzahlungen im Übergang, Maklerkosten für die neue Mietwohnung und Fahrten zur Wohnungsbesichtigung.

Nicht anerkannt: Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil VI R 3/23 entschieden, dass ein Umzug in eine größere Wohnung zur Einrichtung eines besseren Arbeitszimmers nicht beruflich veranlasst ist. Homeoffice allein trägt den Abzug also nicht.

Privat veranlasster Umzug

Auch ohne beruflichen Anlass geht etwas: Die Rechnung einer Umzugsspedition ist eine haushaltsnahe Dienstleistung nach § 35a EStG — 20 Prozent des Arbeits-, Fahrt- und Maschinenanteils, höchstens 4.000 Euro Steuerabzug im Jahr. Voraussetzung: Rechnung und Überweisung. Barzahlung schließt den Abzug aus, ausnahmslos.

Die Übergabe

Der Umzugstag endet nicht mit dem letzten Karton, sondern mit dem Übergabeprotokoll — für beide Wohnungen. Hineingehören Zählerstände mit Zählernummer für Strom, Gas, Wasser und Wärme, die Zahl der übergebenen Schlüssel und der Zustand jedes Raums. Wer Schäden bestreitet, lässt sie als strittig vermerken, statt zu unterschreiben und zu hoffen. Eine Protokollvorlage zum Ausfüllen finden Sie ebenfalls bei den Musterschreiben.

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